Abgrenzung: Wie setzt du deine Grenzen?

Abgrenzung: Wie setzt du deine Grenzen?


Sich besser abgrenzen
Abgrenzung: Wie setzt du deine Grenzen
Vielleicht denkst du, dass du gut Grenzen setzen kannst und ja immer sagst, was du denkst. Was ist, wenn du nur glaubst dass das so ist und auch zu diesem Denken die Grenzen von anderen führten?

Eigene Grenzen erkennen

Zuerst ist es wichtig, zu erkennen, wo deine eigenen Grenzen überhaupt sind. Zu erkennen, wo Menschen in deinem persönlichen inneren Garten rumtrampeln und wo Menschen ihre eigenen Zäune mitbringen und in deinem Garten aufstellen. Zu erkennen, dass du überhaupt andere in deinen Garten lässt und wie, wo und warum du das tust. Zu sehen, wie gross dein eigener Garten wirklich ist, und wer sich mit welchen Mitteln an deinem Garten bereichert, kann ein langer Prozess sein. Du kannst Schritt für Schritt erkennen, wer du wirklich bist und was du wirklich willst.

Grenzen werden von anderen gemacht

Als Kind übernimmst du oft Grenzen von deinem Vater, von deiner Mutter, oder deinen Geschwistern. Dann übernimmst du die Regeln der Gesellschaft. "Man macht es so." Als Kind ist dies auch ein Schutz, denn du kannst nicht als 2-Jähriges aufstehen, deine Sachen packen und einfach verschwinden, wenn es dir nicht mehr passt. Trotzdem kann es sein, dass dir jemand ständig in deinem Garten rumgetrampelt ist und es überhaupt nicht merkte. Vielleicht konntest du dich auch nicht wehren und irgendwann dachtest du, dieses Verhalten sei einfach normal. Du lässt es heute immernoch zu, dass jemand mitten in deinem Garten steht und merkst es vielleicht nicht einmal.

Du bestimmst über dich und dein Leben

Du bestimmst, wo deine Grenzen sind. Grenzen sind für jede Person anders. Für den einen ist eine Tat schon ein Übergriff, was ein anderer vielleicht sogar gut findet. Zum Beispiel hat bei mir einmal bei der Auflösung einer Wohngemeinschaft, die Mutter und Schwester meiner ehemaligen Mitbewohnerin, meine Küchenutensilien aus den Schränken geräumt und in Kisten gepackt, ohne mich zu informieren. Ich wollte aber alles aussortieren und Ordnen, da ich teilweise Gegenstände brauchte und andere für ein paar Wochen einstellen musste. Einige meiner Artikel waren dann auch in die Kiste der Mitbewohnerin gewandert und ich habe diese nie mehr wiedergesehen. Ich war total schockiert, überrumpelt und für mich war das ein No-Go. Ich packe meine Sachen selber ein, oder suche mir meine Helfer selber aus. Eine Kollegin fand aber, das sei doch einfach nett, wenn mir jemand die Arbeit abnimmt und ich soll doch froh sein. Für mich war und blieb dies ein No-Go.

Wenn du beginnst, deine eigenen Grenzen zu respektieren, kannst du selber auch respektvoller mit den Grenzen von anderen Personen umgehen. Du weisst nicht immer, was andere erlebt haben, um diese oder jene Grenze genau dort zu setzten, wo sie ist.

Für sich einstehen

Wenn du mal erkannt hast, wo du zulässt, dass Menschen über dich entscheiden, dir zu Nahe kommen, dir auf der Nase herumtanzen oder dir Energie rauben, geht es darum, für dich einzustehen. Wenn du deine Grenzen nicht zeigst, können die andern auch nicht wissen, dass sie über deine Grenzen getreten sind. Es geht nun darum, hinzustehen und zu sagen STOP, das geht mir zu weit, bis hierhin und nicht weiter. Es geht darum, jemand nett aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass sein Verhalten für dich nicht in Ordnung ist, und du das anders möchtest.

Wenn du nie Grenzen gezeigt hast und dies jetzt plötzlich tust, wird dein Verhalten höchstwahrscheinlich nicht ernst genommen. Die Leute erschrecken und werden vielleicht sogar wütend oder machen sich lustig über dich. Man sagt dann vielleicht über dich, du steckst gerade in einer Krise, oder in einer schwierigen Phase, und wirst bestimmt irgendwann wieder normal. Lass dich nicht davon beirren. Werden deine Grenzen trotzdem immer wieder übergangen, musst du stark sein und Konsequenzen ziehen. Wird der andere wütend oder greift dich an, dann musst du wissen, dass das SEIN Problem ist und nicht deines. Die Reaktion des anderen, auf deine Grenze ist SEINE Reaktion. Da musst du nicht mitmachen. Du musst deswegen nicht auch wütend werden. Lass den andern einfach sein und bleib bei dir.

Grenzen zeigen ist Liebe

Es sind deine Grenzen, auch wenn andere dir dann einzureden versuchen, dass das doch alles nicht so schlimm ist, und nur nett gemeint, und du nicht so sensibel sein sollst, oder du nicht so schwierig tun sollst. Bleib bei dir und lass dich nicht überreden und überrumpeln. Oft denkt man, dass man einen Menschen verliert oder dass ein Mensch einem nicht mehr liebt, wenn man seine Grenzen zeigt. Aber denk daran, du kannst aus Liebe zu einem Menschen diesem Grenzen aufzeigen. Du hast dein Recht, deinen Raum einzunehmen und für dich einzustehen, aus Liebe zur dir selbst, aber auch aus Liebe zu dem anderen. Es ist nicht fair, dem anderen nicht zu sagen, wo deine Schmerzgrenze ist, so dass er dir zwangsläufig immer wieder zu Nahe kommt und dich verletzen muss. Es ist somit auch nicht fair, wenn du nicht konsequent bist, und zulässt, dass andere dich verletzen. Nur wenige Menschen möchten andere bewusst verletzen. Und falls dies jemand wirklich will, ist es umso wichtiger, dass du deine Grenzen absteckst und aufzeigst. Solange du deine Grenze nicht aufzeigst, kann sich der andere auch nicht ändern.

Überlege dir, wo in deinem Leben dir Menschen immer wieder Vorschriften machen oder dich Verletzen und entscheide dich, für dich und für dein Leben Verantwortung zu übernehmen.

Beispiele

Ich mache hier viele Beispiele, von Grenzüberschreitungen aus dem Alltag und es gäbe ja noch viele mehr. Einige habe ich selber erlebt, andere sind von Freunden, Bekannten oder einfach erfunden. Diese Beispiele sollen dir Hinweise geben, wo du im Versteckten deine Grenzen überschreitest oder überschreiten lässt. Nicht immer ist das schlimm und nicht immer besteht Handlungsbedarf. Trotzdem kann es für deine Selbstbestimmung wichtig sein, auch kleine Grenzüberschreitungen zu erkennen. Es geht vor allem darum, wie du reagierst auf eine Grenzüberschreitung. Lässt du es einfach über dich ergehen oder kannst du dich der Situation stellen und für dich Konsequent sein?
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Deine Freundinnen oder deine Geschwister reden dir ein, dass dein Mann/deine Frau nicht gut für dich ist.

Deine Mutter trampelte früher einfach in dein Zimmer, ohne anzuklopfen. Heute steht sie immernoch oft unangemeldet vor der Tür.

Ein Familienmitglied hat dich gezwungen, Geheimnisse auszuplaudern und heute erzählst du dieser Person immer noch alles.

Du findest etwas schlimm und möchtest reagieren. Deine Freunde oder Familie reden dir ein, dass das überhaupt nicht schlimm ist, und du nichts tun sollst.

Jemand raubt dich aus oder klaut deine Sachen.

Deine Geschwister stürzen sich immer auf das grösste Stück Kuchen und du gehst leer aus, möchtest aber auch mal das Grosse.

Dir passiert etwas Schlimmes und deine Freunde oder Familie setzen sich nicht für dich ein oder sind nicht für dich da.

Jemand belügt dich, betrügt dich oder erzählt Lügen über dich.

Du wirst gemobbt.

Jemand urteilt über dich, ohne vorher mit dir geredet zu haben.

Jemand bringt dir ständig seine alten Sachen und kauft sich selber neue, z.B. Hometrainer, Fotoapparat, Handy, Kleider, etc.

Im Geschäft lässt die eine Mitarbeiterin ständig ihre Kaffeetasse stehen und du räumst sie weg.

Jemand anderes entscheidet, wann und mit wem du in den Ausgang gehst oder wie du dein Wochenende verbringst.

Jemand überredet dich zu einem Drink oder länger zu bleiben.

Deine Mutter bestimmt, wann du sie besuchen musst und wie oft du bei ihr zum Mittagessen kommst.

Deine Eltern wissen Bescheid über jeden deiner Arztbesuche, weil du dich verpflichtet fühlst, ihnen alles zu erzählen.

Du wirst zu etwas gezwungen, bedroht, oder erfährst körperliche Gewalt.

Jemand leiht sich von dir Geld aus und zahlt es nicht zurück.

Jemand redet dir ein, welche Frisur oder welche Kleider dir besser stehen.

Dein Nachbar baut die Wohnung um und es wird unerträglich laut. Du wurdest vorher nicht informiert.

Eine Nachbarin hängt dir in der Waschküche die Wäsche um, wäscht an deinem Tag oder stellt dir den Wäschetrockner ab.

Deine Mutter schreibt dir vor, welches Essen für dich nicht gut ist.

Jemand benützt dein Parkplatz, ohne dass er zuvor gefragt hat.

Dein Mann leiht Freunden deinen Reiseführer aus,  ohne dich vorher gefragt zu haben. Darin sind deine ganzen Notizen von Erlebnissen während der Reise.

Du hast jemandem aufgrund einer gewissen Situation ein Passwort verraten und dieser benutzt dies später ungefragt.

Deine Mutter guckt in deiner Wohnung in deine Schränke, Schubladen oder in den Kühlschrank.

Deine Mitbewohnerin benützt deine Kosmetika, Shampoos, Waschmittel oder isst deine Lebensmittel.

Dein Freund entsorgt von dir Sachen ohne dein Wissen.

Eine Freundin ruft täglich mitten in der Nacht an.

Deine Eltern entscheiden, wie die Erziehung deines Kindes sein soll.

Dein Wochenendbesuch breitet sich bei dir zu Hause so aus, dass du selber kaum mehr weisst, wo du dich hinsetzen sollst.

Deine Eltern entscheiden, welches Auto du fahren sollst oder welche Wohnung für dich geeignet ist, welcher Job gut für dich ist.

Jemand berührt dich unsittlich oder macht Bemerkungen, die du gar nicht toll findest.

Du wirst vor anderen schlecht gemacht.

Geschwister melden sich nur bei dir, wenn sie etwas von dir brauchen.

Du denkst, dass dein Partner das Recht hat, alles mögliche mit dir zu tun, auch wenn es dir eigentlich gar nicht gefällt.

Wo überschreitest du Grenzen?

Wo nimmst du bei anderen zuviel Raum ein? Oft sind es ähnliche Themen. Bist du von jemandem Abhängig, ist er auch abhängig von dir.

Du nimmst etwas, obwohl es nicht dir gehört.
Du lässt deinen Kindern zu wenig Freiraum.
Du lässt die Eltern nicht ohne dich in die Ferien fahren.
Du rufst regelmässig mitten in der Nacht Freunde an.
Andere müssen dir ständig hinterherräumen.
Du fragst andere Menschen aus und musst immer über alles Bescheid wissen.
Du leihst Dinge aus, ohne zu fragen.

Grenzüberschreitungen kommen oft auch in der Therapie vor. Dafür gibt es in den nächsten Tagen einen eigenen Text.

Findest du eigene Beispiele von Grenzüberschreitungen und Erfahrungen, wie du damit umgehst, schreibe doch einen Kommentar.

Text bei Corinne/Buonavitapraxis
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