Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule: Wie kann ich damit umgehen?


Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule: Wie kann ich damit umgehen?

Was ist Mobbing

Mobbing, wie kann ich damit umgehen
Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing ist bewusster Psychoterror mit dem Ziel, dem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Mobbing gibt es überall in unserer Gesellschaft. In der Schule, am Arbeitsplatz, unter Nachbarn, in Vereinen, etc.

Mobbing in unserer Gesellschaft

Mobbing ist immer wieder ein grosses Thema, das in Menschen tiefe Spuren hinterlassen kann. Manchmal scheint es aber auch ein bisschen ein Trendwort zu sein. Immer wieder hört man von verschiedenster Seite "ich wurde früher in der Schule gemobbt". Manchmal denke ich dann, ja, wir wurden wohl einfach alle gemobbt. Für mich gibt es da eine Trennung von normalen, länger andauernden Streitereien unter Menschen, und richtigem Mobbing. Ich denke, jeder hat irgendwann in seinem Leben Gemeinheiten oder Streitereien erlebt, die schlimm und traurig waren und jeder wurde wahrscheinlich irgendwann mal ausgelacht. Wahrscheinlich hat auch schon jeder einmal auf der Täterseite gestanden und andere Menschen verletzt. Gerade Kinder können schon sehr gemein sein und müssen sich ausprobieren. Es ist für Kinder auch wichtig zu Streiten und die eigenen Grenzen kennenzulernen.  Wenn man in einen schlimmen Streit involviert war, oder halt mal in einer Klasse nicht mit jedem befreundet, heisst das noch lange nicht, dass man auch gemobbt wurde.

Mobbing in der Schule

Zu meiner Schulzeit war Mobbing noch ein bisschen anders, als dies mit der heutigen Technik praktiziert werden kann. Ich denke, die Jugendlichen heute haben es da um einiges schwieriger. Es geht teilweise auch um Geld, mit Erpressungen und über soziale Netzwerke.

Ich hatte selber ein Schuljahr erlebt, das für mich nicht so schön war. Ich war in einer Gruppe von Freundinnen, von welchen die eine aus diversen Gründen neidisch war auf mich. Sie wurde immer missgünstiger und irgendwann artete das in Mobbing aus. Die andern der Gruppe waren die typischen Mitläuferinnen, die einfach mitmachten, aus Angst die Freundin zu verlieren. Es ging über Telefonterror, Versuche, mich vom Sportverein fernzuhalten, Fahrradzerstörung, Abfälle im Schulrucksack, bis zu gemeinen Flyern über mich, welche zum Glück schnell eliminiert wurden. In dem einen Jahr war ich diejenige, die meistens alleine am Pult sass, in der Pause alleine dumm rumstand und im Turnen als Letztes gewählt wurde. Ich hatte in dieser Klasse keine wirklichen Freunde, kümmerte mich aber auch nicht aktiv um Beziehungen. Ich hatte ein paar Verbündete, die mir manchmal bei der Schadensbegrenzung halfen, wofür ich sehr dankbar bin. Für mich waren damals aber nicht diese Übergriffe das Schlimme, sondern vielmehr der Schmerz darüber, dass eine meiner damaligen Freundinnen sich so gegenüber mir verhielt. Als das letzte Oberstufenjahr endete, war diese Sache vorbei, da ich auf eine neue Schule kam. Was alles passiert wäre, wenn damals schon alle Internet und Handys gehabt hätten, will ich mir lieber nicht vorstellen.

Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz habe ich selber nie erlebt, jedoch höre ich das immer wieder von Freunden oder Kunden. Da passieren auch alle möglichen Dinge von Neid, auslachen, hinter dem Rücken sprechen, Lügengeschichten, jemanden aus dem Team ausschliessen, Kaffee über die Dokumente kippen, Dateien löschen, Termine löschen, Dokumente fälschen, bis zur übelsten Verleumdung. Das wird manchmal richtig schwierig, wenn man keine Beweise erbringen kann, dass man für die Fehler nicht selber Verantwortlich ist. Für die meisten Menschen ist der Job etwas Existentielles, das macht es umso schwieriger. Man kann nicht immer einfach sofort aussteigen, wenn es nicht mehr passt.

Das perfekte Opfer und die Flucht vor dem Mobbing

Ich war jedenfalls in dieser Zeit das perfekte Opfer. Ich tat so als würde alles an mir abprallen und als würde das mir alles nichts ausmachen. Wahrscheinlich glaubte ich das sogar selber. Ich wehrte mich nicht, zeigte keine Grenzen und machte einfach Schadensbegrenzung. Dies ist in vielen Fällen so. Man wehrt sich nicht, aus Angst, es könnte schlimmer werden, aus Scham oder Schuld, dass einem so etwas passiert. Stattdessen guckt man, dass niemand von den Vorfällen erfährt, redet sich selber alles irgendwie schön und baut sich einen riesigen Schutzwall auf. 

Manchmal gucken Eltern, dass das Kind die Klasse oder die Schule wechselt, wenn es richtig schlimm wird, oder man wechselt den Arbeitsplatz, die Wohnung oder den Wohnort. Nicht immer ist dies die Lösung, aber es kann ein Teil der Lösung sein, um sich aus der Situation rauszunehmen. Wichtig ist aber, zu begreifen, dass man als Opfer nicht unschuldig ist! Wer gemobbt wird, strahlt etwas aus, das die Täter dazu verleitet, so zu agieren. Flieht man nun aus der Situation, ohne diese Aufzuarbeiten, gerät man höchstwahrscheinlich früher oder später wieder in eine ähnliche Situation.

Der Ursprung des Mobbings

Oft findet man den wirklichen Ursprung für das Mobbing schon in der tiefsten Kindheit und gar nicht in der Mobbingsituation selber. Aber nicht immer ist es nötig, die Ursprungssituation zu erkennen.  Viel wichtiger ist es, zu begreifen, dass die Situation, in der man drin steckt, nur eine Wiederholung von einer alten Verletzung ist, die man jetzt heilen kann, in dem man sich dieser Situation stellt. Der Ursprung liegt meistens in tiefen inneren Verletzungen die einem das Gefühl geben, schwach zu sein, nicht richtig zu sein, nichts sagen zu dürfen, sich nicht wehren zu können, Minderwertigkeit, Verlassenheit, Ohnmacht, Unterwürfigkeit und ähnliches. Jetzt ist es möglich, aus dieser Situation herauszutreten und sich die eigene Macht wieder zurückzuholen. Da drin verbirgt sich eine riesige Chance.

Wie hole ich meine Macht zurück

Strahle ich Stärke aus und bin in meiner Kraft, wird kein Mensch versuchen, die Macht über mich zu bekommen, in dem er mich mobbt. Er würde es vielleicht versuchen, aber es würde nicht funktionieren! Bin ich also in meiner Macht, brauche ich auch keine Angst vor Mobbing oder ähnlichen Situationen zu haben, denn dann ist es für mich ein Leichtes, diese zu meistern.

1. Die Wahrheit erkennen und dazu stehen: Die andern sind nicht gut zu mir und es schmerzt mich. Ja, ich werde gemobbt. Ja, es passieren Übergriffe und ich lasse diese zu oder weiss nicht wie ich dagegen ankomme.

2. Vertrau dich jemandem an: Freunde, Familie oder einem Therapeuten. Je schwieriger die Situation ist, desto wichtiger ist es, dass dir jemand den Rücken stärkt. Es wird einfacher für dich werden.

3. Diese gutgemeinten Ratschläge von Eltern oder Freunden helfen nicht : Oh du armes. Beachte sie einfach nicht. Tu einfach so als würde dir das nichts ausmachen. Mach doch dasselbe mit ihnen. Wechsle den Job, die Schule, den Lehrer. 

Auch wenn du dich jemandem anvertraut hast, du musst selber hinstehen und aus diesem Muster raustreten. Niemand kann das für dich machen. Übernimm die Verantwortung für dich. Flucht wird dir im Moment helfen, aber es reicht nicht aus. Auch Zurückschlagen ist keine Lösung, denn das wird dir nur Feinde bringen. Tu nicht das, was du bei anderen Menschen schlecht findest.

4. Stell dir diese Fragen: Was bist du dir selber wert? Wieviel musst du dir gefallen lassen? Wieviel dürfen andere über dich entscheiden oder bestimmen? Wo sind deine Grenzen?

5. Steh endlich für dich ein und übernimm Verantwortung für dich. Sag was Sache ist, auch wenn es für dich vielleicht unangenehm ist. Schäm dich nicht dafür und fühl dich nicht schuldig, weil du gemobbt wirst. Du bist nicht die Einzige und das gibt es überall auf der Welt.

Bereite dich gut vor, stelle allenfalls Beweismaterial zusammen. Stell die Person zur Rede. Im Akutfall ist das manchmal schwierig. Rede allenfalls mit den Tätern einzeln, allenfalls mit Hilfe eines Mentors. Je nach dem kannst du den Chef hinzuziehen, den Lehrer oder je nach Schweregrad auch einen Anwalt oder die Polizei. Du musst den anderen nicht selber bestrafen oder bedrohen, dafür bist du nicht zuständig. Keiner wird auf Dauer glücklich werden, wenn er so durchs Leben geht. Guck lieber, dass du nicht ebenfalls in die Täterrolle fällst. Aber du darfst jetzt hinstehen, für dich. Sag für dich: STOP, da überschreitet es meine Grenzen. Das ist nicht mehr in Ordnung. Soweit und nicht weiter. 

6. Und ja, manchmal wechselt man nachher tatsächlich den Job, die Klasse oder die Wohnung, um sich aus der Situation rauszunehmen und zu schützen.

7. Wenn dich jemand mobbt, hat er selber schwerwiegende Probleme mit Neid, Missgunst und Eifersucht und sollte einem eigentlich leid tun. Das hat nichts mit dir als Mensch, mit deinem Aussehen, mit deinem Können oder mit deinem Wert zu tun. Wenn du keine Angst mehr vor den Übergriffen hast und dich nicht mehr zurückziehst, wird es sofort eine Veränderung geben. Vielleicht kannst du sogar darüber lachen oder mit einem Spruch der Situation den Wind aus den Segeln nehmen.

8. Verzeihung, Verzeihung, Verzeihung. Irgendwann wirst du soweit sein, Menschen die dich verletzt haben, zu verzeihen. Nicht, um das gutzuheissen, was die Person getan hat, sondern, um dich selber aus der vergangenen Situation rauszunehmen und ins Jetzt zu treten. 


Hast du eigene Erfahrungen oder gute Taktiken, die man bei Mobbing anwenden kann, darfst du gerne einen Kommentar schreiben.

Text by Corinne/Buonavitapraxis

Siehe auch:
Selbstliebe
Grenzen setzen
Selbstwert 
Missbrauch und Manipulation
Blogparade Narzisstischer Missbrauch




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