Der Körper ist mein Freund. Ist Krankheit auch Gesundheit? Wenn wir also krank sind, sind wir dann nicht eigentlich auch gesund?


Der Körper ist mein Freund. Ist Krankheit auch Gesundheit? Wenn wir also krank sind, sind wir dann nicht eigentlich auch gesund?

Gesundheit und Psychosomatik
Der Körper ist unser Freund
Ja, ein gefährlicher Titel. Ich sehe schon die Fetzen fliegen und mein E-Mail Account überfüllt von Beschwerdemails.

Es geht hier um Krankheitssymptome aus körperlicher und psychosomatischer Sichtweise.

Die Leidensliste deines Körpers

Viele Menschen können eine ganze Palette von Krankheiten, Unfällen oder Verletzungen aufzählen, die sie mit ihrem Körper durchgemacht haben. Viele davon wissen noch genau, in welchen Jahren sie schwierige Zeiten durchgemacht haben. Jeder von uns hat seinen Rucksack zu tragen.

Leidenswettkampf

Manchmal beobachte ich aber, dass ein regelrechter Wettkampf entsteht, wer die schlimmeren Krankheiten oder Verletzungen hatte, wer mehr vom Leben gezeichnet ist und wer das grösste Opfer ist. Menschen, die in diesen Mustern gefangen sind, können ihre Vergangenheit nicht loslassen. Sie haben immer irgendwie das Gefühl, dass ihr Körper durch die vorangegangenen Krankheiten oder Unfälle immernoch beschädigt ist und leidet. Auch wenn vielleicht physisch nur noch ein paar Narben übrig geblieben sind, leiden diese Menschen vielleicht sogar immernoch an Schmerzen oder starken psychosomatischen Leiden, obwohl nichts mehr physisch feststellbar ist.

Leidensspirale

Ist ein Mensch in dieser negativen Denkspirale gefangen, kann es sogar so weit kommen, dass er in ein Kontrollverhalten geht, oder in eine Zwangsstörung, z. B. Hypochondrie, ständiges Symptombeobachten, Herzneurose, Angststörungen etc. Es kann auch sein, dass gewisse Krankheiten nie richtig abheilen, oder der Körper ständig wieder neue physische Beschwerden macht. Typisch ist zum Beispiel, dass durch den enormen psychischen Stresspegel ständig soviel Adrenalin, Histamin und Cortison im Blut ist, dass Menschen ständig Allergien oder Infektionen haben, sowie eine enorm schlechte Wundheilung. Diese Wundheilungsstörungen haben dann also eine psychische Ursache, nämlich dass das ursprüngliche Trauma nicht losgelassen wird und man ständig im Kontrollmodus steckt.

Selbstheilung des Körpers

Wichtig hier ist zu erkennen, dass man z. B. als Kind, bei einer Grippe, eine Woche im Bett lag, und als es einem wieder gut ging, hat man die Krankheit einfach vergessen. Man ist wieder draussen spielen gegangen, als wäre nichts geschehen. Eltern von Kindern beobachten ja auch häufig bei Kinderkrankheiten, dass das Kind nach einer Krankheit gereift und gestärkt ist. 

Viele Erwachsene verlieren diese Fähigkeit, nach einer Verletzung oder Krankheit ihrem Körper zu Danken, dass er diese Hürde gemeistert hat, auch wenn vielleicht noch eine Narbe bleibt, und ihre innere Schaltuhr wieder auf Null zu stellen. Anstatt dem Körper zu Vertrauen, dass er das Leiden geheilt hat und wieder gesund ist, schreibt die Person ihre Erfahrung innerlich auf die Leidensliste. "Ich armes Opfer, was ich schon alles durchmachen musste". Das Leiden ist dann nicht abgeschlossen, die Person nimmt es mit ins Heute und Jetzt, auch wenn es schon lange Vergangenheit ist.

Leidensliste auflösen

Falls du einer dieser Menschen mit deiner Leidensliste bist, dann schreib deine innere Liste mal auf ein Stück Papier, das du anschliessend einfach zerreissen, verbrennen oder sonstwie entsorgen kannst! Und dann stell deine innere Gesundheitsuhr auf Null und fang wieder von vorne an. Denn dein Körper ist nach einer Krankheit wieder auf Null gestellt. Deine Zellen erneuern sich immer wieder. Der ganze Körper erneuert sich immer wieder. Aber wenn du in Gedanken an den vergangenen Geschehnissen festhälst, "programmierst" du deine neuen Zellen mit deinen alten Geschichten.  Dann wird dein Leiden nicht ein Problem deines Körpers, sondern deines Kopfes. 

Psychosomatische Sichtweise von Krankheiten und Unfällen

Aus psychosomatischer Sicht haben Unfälle, Krankheiten und Schmerzen immer einen gewissen Hintergrund. Ich will hier niemandem zu Nahe treten, denn es gibt bestimmt immer Ausnahmen. In meiner Ausbildung habe ich Ärzte kennengelernt, die sich mit Psychosomatik befassten, welche behaupteten, dass es bei ca. 98 % aller Krankheiten einen sekundären Krankheitsgewinn gibt. Sogar nachweisbare Allergien oder schlimme Erbkrankheiten verliefen weniger schlimm, wenn die psychosomatische Ebene beachtet würde. Ich habe mich selber da nicht mit Studien befasst und kenne nur meine persönlichen Erfahrungen mit meinen Patienten.

Manchmal kann ein Mensch nach einem Unfall im Nachhinein sagen, dass ihm diese Auszeit eigentlich irgendwie gelegen kam. Er konnte sich endlich aus der schwierigen Situation rausnehmen, da ihm eigentlich alles zuviel war. Man wird zu einer Veränderung gezwungen, die eigentlich schon lange ansteht. Oder jemand hat immer Angst, die Kündigung zu bekommen und durch den Unfall kann ihm den Job nicht gekündigt werden. Jemand macht immer dann einen Unfall oder eine Krankheit, wenn doch vermeintlich alles gut läuft, eine Art von Selbstsabotage und Erfolgsangst.
Einige Menschen können bei Unfällen später auch sagen, dass sie nicht auf ihr Bauchgefühl gehört hatten, oder einen Moment geistig Abwesend, Unkonzentriert, nicht richtig präsent gewesen sind, oder zuviel wollten, um Anerkennung von anderen zu bekommen.

Auch bei Krankheiten und Schmerzen geschieht oft, dass sich der Körper die Auszeit nimmt, die man sich selber nicht gönnte. Der Körper zeigt einem, dass etwas zuviel oder zuwenig ist. Dass man zuviel arbeitete, zuwenig Zeit für sich nahm, sich schlecht ernährte, zuviel Verantwortung für andere trägt, oder einfach den falschen Weg eingeschlagen hat, und Angst hat, etwas zu verändern.

Ich persönlich finde, wenn man einmal ein bisschen erkältet ist, muss man nicht gleich ein Drama machen und gross nach Ursachen suchen. Die meisten Menschen schauen dann automatisch wieder ein bisschen mehr zu sich selber. Man gönnt sich ein Bad, einen warmen Tee, eine kuschlige Decke auf dem Sofa, ein bisschen mehr Schlaf, etc. Aber wenn man immer wiederkehrende Krankheiten hat, oder ständig Unfälle, lohnt es sich, einfach ein bisschen mehr hinzuschauen. Denn vielleicht, will uns unser Körper einfach einen Hinweis geben.

Der Körper ist unser Freund

Alle Menschen haben Krankheiten oder Verletzungen durchgemacht, viele davon geschehen in der Kindheit. Wir haben das alle überlebt. Das waren definitive nicht immer schöne Erfahrungen, wir litten unter Schmerzen und Fieber, lagen im Bett, bekamen Medikamente oder Spritzen, etc. Aber unser Körper hat das immer geschafft. Wir bekamen eine Krankheit, und dann war sie irgendwann vorbei. Der Körper hat stark gearbeitet und das war gut so! 

Hätte der Körper nicht gegen die Stoffe, die nicht gut für uns waren, gearbeitet, wer weiss, was dann geschehen wäre. Es war also ganz gut, dass unser Immunsystem gearbeitet hat, oder der Körper sich eine Auszeit genommen hat und sich selbst regulierte. Das heisst, dass unsere Körperreaktion auf etwas Ungesundes (schlechtes Essen, Viren, zuviel Anstrengung, etc.), eine gute Reaktion war. Der Körper versucht sich selber auszubalancieren. Das Verhalten unseres Körpers war also GESUND! Denn wenn unser Körper krank wäre, hätte die Reaktion gar nicht funktioniert! 

Wenn wir also vermeintlich krank sind, sind wir denn nicht eigentlich genauso gesund, wie wenn wir uns nicht "krank" fühlen? Der Körper hilft uns und ist unser Freund. Er ist stark und kräftig, denn er hat bisher alle Hürden irgendwie geschafft, auch wenn es noch so schwierig war. Ist nicht das Gesundheit?

Mit dieser Einstellung kann man beginnen, seinen Körper so anzunehmen und zu lieben wie er ist. Man ist nicht mehr das Opfer seines Körpers und der Körper ist nicht mehr der Feind.

Der Körper ist unser Freund. So ist es leicht möglich, dem Körper das Vertrauen und die Dankbarkeit zu schenken, die er braucht.

Text by Buonavitapraxis/Corinne

Siehe auch:
Migräne

Gesundheit kann man nicht kaufen

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